Kontrollverlust

Die Blumenfrau Bertha Klingberg war unterwegs und hat sich ein Smartphone zugelegt.

Sie ist wieder da

Bertha sitzt wieder an ihrem Platz (Siehe Artikel ‚Bertha legt los‘). Ich bin beruhigt. Vielleicht habe ich mir das doch alles nur eingebildet.

Gestern hat die SDS auch ihr Beet neu bepflanzt. Sieht schön aus.

Ich: Morgen, Bertha.

Bertha: Morgen, Jungchen.

Ich: Hast Frühlhingsblumen in dein Beet bekommen, Bertha.

Bertha: Ja, schön, nicht?

Vermeidungstaktik

Ich bilde mir ein, dass – wenn ich Bertha nicht auf ihren morgendlichen Ausflug von vorgestern anspreche – vielleicht alles nur ein Spuk war und ich irgendwie aus der Sache mit dem Smartphone wieder rauskomme – mir alles nur eingebildet habe. Gott, bitte mach‘, dass ich es mir nur eingebildet habe!

Bertha: Was ist eigentlich aus deinen Samen geworden?

Ich noch in Gedanken: Meinem was?

Bertha: Deinen Gemüsesamen. Du hast doch Karotten ausgesät.

Ich: Oh, ach die. Ja, kommt was. Der Tipp mit dem Sand war super. Blumenkohl und Tomaten stehen jetzt auch schon auf der Fensterbank.

Wir schweigen eine Weile. Der Himmel ist grau, überhaupt lässt sich die Sonne in den letzten Tagen selten blicken. Die Werbefahnen am Klingbergplatz hinter uns klappern leicht im Wind.

Bertha unvermittelt: Hast viele Tippfehler.

Ich: Was?

Bertha: Grammatik ist auch nicht deine Stärke.

Ich innerlich zusammensackend: Du meinst, du hast…

Bertha: Und die Bilder sind auch nix. Zu groß, hat man überhaupt keinen Überblick.

Ich: Aha.

Bertha: Aber sonst find‘ ich’s gut.

Bertha hat ein Smartphone

Ich: Du hast wirklich ein Smartphone…

Bertha: Jetzt bleib‘ mal ganz ruhig, Jungchen. Auch die ältere Generation muss sich mit der Technik auseinandersetzen. Gehört alles zum Leben.

Ich: Aha.

Bertha: Ich mag übrigens den See; wusste gar nicht, dass der reden kann, hab‘ ihm eigentlich nie zugehört. Hörst du ihn in deinem Kopf oder so richtig mit den Ohren?

Ich: Ähm, Bertha, ich weiß nicht, ob ich dir das…

Bertha: Is‘ auch egal. Bin gespannt, wie’s weitergeht. Und Niklot ist zwar ein typisches selbstgefälliges Mannsbild, aber auch er hat recht – solltest mehr mit den Menschen reden.

Ich mich rechtfertigend: Mach‘ ich ja.

Bertha: Dann is‘ ja gut.

Kontrollverlust

Wir schweigen wieder. Habe das Gefühl, mein kleines Kartenhaus ‚Schwerinlogbuch‘ fällt in sich zusammen, ehe ich auch nur mit dem zweiten Stockwerk angefangen habe.

Warum können die Figuren nicht einfach brav das machen, was sie sollen? Ich meine, ist das so schwer? Niklot, ein Standbild; Bertha, eine Bronzefigur und der See, ja der See, meine Güte, das is’n See, nichts weiter.

Klar, das mit dem Reden war ’ne nette Sache. Find‘ ich auch gut. Habe ich wenigstens Unterhaltung.

Aber Bertha liest das Logbuch? Ich glaub’s nicht. Sie hat’n Smartphone, das kann man doch keinem erzählen. Das kann ich doch nicht schreiben. Was denken denn da die Schweriner?

Bertha: Bist heute nicht ganz bei dir, was?

Ich: Wie bitte?

Bertha. Wirkst abwesend. Alles in Ordnung?

Ich tatsächlich in Gedanken: Doch, doch. Ich glaub‘, ich geh‘ dann mal besser. Noch viel zu tun. Muss noch ein Interview vorbereiten.

Bertha: Is‘ gut. Und das wird schon, Jungchen.

Ich mich noch mal zu ihr hinwendend: Was wird schon?

Bertha: Dass mit den Followern. Ich hab‘ da ’n ganz gutes Gefühl bei solchen Sachen. Vertrau‘ mir.

Ich wende mich wieder ab und gehe. Aus den Augenwinkeln meine ich noch wahrzunehmen, wie Bertha in ihrer Rockfalte herumraschelt. Warum kriege ich ein seltsames Gefühl, wenn die Blumenfrau sich mit ‚Vertrau‘ mir‘ verabschiedet? Warum fühle ich mich nicht mehr wie der Ururenkel von ihr? Warum, bitte, hat die Frau jetzt’n eigenen Willen?

Kontrollverlust.

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2 Kommentare

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Oh, das ist jetzt peinlich. Bertha hat ein Smartphone. Sie scheint eine Frau der schnellen Entschlüsse. Ich bin viel jünger und will mir schon lange eines anschaffen. Jetzt wird es aber Zeit.

DiKey

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