Bertha, Pfingsten und die heilige Schwerinchronik

Die Blumenfrau von Schwerin macht einen Rumdumschlag durch logschwer.de, die Schwerinchronik. Themenschwerpunkte: Der Welterbetag, Beziehungspflege und die Künstlerseele.

Ein ruhiger Spaziergang am Pfingstmontag. Bertha sitzt an ihrem Platz und scheint die Kühle des Morgens nach einem sonnigen Pfingstsonntag zu genießen.

Bertha: Guten Morgen, Junge. Is‘ ja ruhig geworden die letzten Wochen auf der Seite.

Ich: Na ja, ich bin halt viel unterwegs und wenn ich unterwegs bin, dann…

Bertha: …dann?

Ich: Dann kann ich ja wohl schlecht mit dir, Niklot oder dem See reden

Wer bist du?

Bertha schaut ein Weilchen schweigend auf den See. Dann wendet sie ihren Kopf zu mir und ich spüre wie ihr freundlicher, aber durchdringender Blick auf mir ruht.

Bertha: Jungchen, wer bist du eigentlich?

Ich: Das weißt du doch Bertha, kannst du doch alles auf der Seite unter ‚Über mich‚ nachlesen. Hast du doch bestimmt schon gemacht seitdem du dein Smartphone hast.

Bertha: Ja, hab‘ ich.

Ich: Siehst du, dann weißt du doch alles.

Bertha wieder auf den See schauend: Na ja, das is‘ ja eher dürftig. Auf der Gockel-Seite kriegt man da mehr über dich raus.

Ich: Gockel? Ach so, du meinst Google!?

Bertha: Ja, das Gockelding. Jedenfalls steht da, dass du einer von diesen Theatermachern bist.

Ich: Stimmt.

Bertha: Hätte ich nicht gedacht. Hab‘ immer vermutet, du wärst so ein netter vom Amt, der in seiner Freizeit ’n bisschen schreiben will.

Tonio oder Kröger?

Ich muss lachen. Natürlich bin ich im Gespräch mit Bertha eher, na sagen wir, bürgerlich, unterwegs. Aber dass die Schweriner Blumenfrau mich gleich hinter einen Schreibtisch befördert hätte ich nicht erwartet.

Ich schlicht: Na, vielleicht bin ich von der Seele eher Beamter als Künstler, keine Ahnung.

Wieder durchdringt mich Berthas Seitenblick. Diesmal skeptisch, spöttisch.

Bertha: Da mach‘ dir mal keine Sorgen, Jungchen, ob Beamter oder Künstler, in jedem Tonio steckt auch ein Kröger.

Ich: Bertha, sag‘ mir nicht, dass du Tonio Kröger von Thomas Mann gelesen hast.

Bertha: Na ja, du hast ja vor zwei Monaten von der Farbe Lila geredet und ich hab‘ ja damals schon gesagt, dass ich die Frauenfigur zu schwach finde, also habe ich die Bibliothekarin nach einem kompakten Entwicklungsroman über ’nen Mann gefragt. Hat gepasst.

Ich: Aha.

Bertha: Jedenfalls ist es spannend.

Ich: Was, Tonio Kröger?

Bertha: Nein, du! Man wird neugierig.

Sie gurgelt und schnaubt ihr unverwechselbares Lachen.

Bertha weiter: Bin froh, dass wir befreundet sind. Dann krieg‘ ich mit, wie’s weitergeht mit dir.

Die heilige Schwerinchronik

Mir wird’s langsam etwas mulmig. Als Künstler bin ich im Kulturleben bis zu einem gewissen Grad auch eine öffentliche Person, aber Bertha schaut anders auf mich, tiefer. Ein bisschen wie der See, als ich so Probleme mit unserem Kleingarten hatte, oder Niklot, als ich fast zum Techniknerd wurde. Nur eben auf ihre eigene ganz spezielle warme weiblich forschende Art, tiefer eben.

Bertha wieder das Thema wechselnd: Aber dieses Blog kannst du nicht so lange hängen lassen, wenn du unterwegs bist.

Ich schrecke aus meinen Gedanken hoch: Was?

Bertha: Das Schwerinlogbuch, die Chronik. Die Leute wollen doch was lesen. Da kannst du nicht einfach eine Woche Funkstille machen.

Ich: Was soll ich denn machen? Wenn ich nicht in Schwerin bin, habe ich nicht so viele Gedanken an die Stadt.

Bertha: Dann schreib‘ ihnen das.

Ich: Du meinst eine Abwesenheitsnotiz?

Bertha: Nenn‘ es wie du willst, aber sag‘ ihnen, dass gerade Durststrecke ist. Ich hab‘ meinen Leuten auf den Markt auch immer gesagt, wenn ich ein paar Tage nicht da war. Das ist wie mit Pfingsten.

Ich: Mit Pfingsten?

Bertha: Ja, eine Gemeinschaft entsteht nur, wenn ein heiliger Geist entsteht.

Ich: Ähm, ich glaube, du hast Recht.

Bertha: Natürlich habe ich Recht. Erzähl‘ einer Blumenfrau was von Beziehungspflege.

Der Welterbetag

Ich nun meinerseits das Thema wechselnd: Am 2. Juni war Welterbetag, nicht wahr?

Bertha: Ja, und das Wetter hat auch mitgespielt. Da sehen’s die Leute dann bestimmt endlich bald ein.

Ich: Was sehen sie ein?

Bertha: Dass Schwerin zur UNESCO-Welterbeliste gehört und die schönste Stadt Deutschlands ist.

Ich: Du bist dafür, dass das Residenzensemble zum Welterbe erklärt wird?

Bertha völlig selbstverständlich: Natürlich. Habe doch die Schwerinchronik gelesen. Du hast völlig recht.

Ich: Aber ich habe mich doch gar nicht für den Titel ausgesprochen. Das war doch eher eine Gegenüberstellung von Argumenten.

Bertha: Ja, ja, aber ich mein auch eher das mit der schönsten Stadt Deutschlands. Man spürt eben, wofür dein Herz schlägt.

Wieder fühle ich mich ertappt.

Ich: Ich mach‘ dann mal los.

Eine Konditorin für Schwerin

Bertha: In Ordnung. Und sag‘ dieser Marion, dass sie gefälligst hier ihre Konditorei aufmachen soll. Frankfurt kann nicht mit Schwerin mithalten, weder am Main noch an der Oder.

Ich: Bertha, die junge Frau will doch erst ihre Ausbildung machen.

Bertha: Von mir aus, dann soll sie die in Frankfurt machen und dann hierher zurückkommen.

Ich stirnrunzelnd: Ich sag‘ es ihr.

Bertha: Dann bis bald. Und hör‘ auch mich, Junge, du machst dir sonst keine Freunde.

Ich: Versprochen, Bertha.

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