6 Bücher, um kein Nerd zu werden

Der Autor von logschwer.de gibt sechs Buchempfehlungen, um nicht hinter Bildschirmen jeglicher Art zu versumpfen.

Als ich mit dem Schwerinlogbuch startete, war ich so etwas wie ein digitaler Volltrottel der Neuzeit. Innerhalb der letzten Wochen habe ich mich zum Teilzeitnerd entwickelt. Klare Erkennungsmerkmale: Froschartiger Tunnelblick, Unkonzentriertheit, verlottertes Äußeres, grauunterlaufene Augen von zu viel Bildschirmzeit.

Mein Gespräch mit Niklot war gut, aber geholfen hat es nicht. Was bringt es mir, wenn ich weiß, dass ich außer mir bin – wie Niklot so schön sagt – wenn ich keine Einsicht finde? Also auf zur Bibliothek und lesen lesen lesen.

Bei der Empfehlungsliste habe ich bewusst den ganz großen Holzhammer ‚Digitale Demenz‘ oder die ‚Smartphone-Epidemie‘ von Manfred Spitzer außen vor gelassen. Zum einen, weil er zu Genüge zitiert wird und in Talkshows sitzt, zum anderen, weil ich mich selbst von anderen Seiten an das Thema annähern wollte.

Hier die sechs Bücher für alle Normalbürger, Vollzeitnerds, Smartphonefanatiker und dennoch Sinnsucher. Lesestoff aber auch Praxisanweisungen, um zu sich selbst zu kommen, sich selbst die richtigen Fragen zu stellen, aufzuschauen, innezuhalten, Sinn zu suchen und zu sortieren. In der realen, der digitalen und der Innenwelt.

6. ‚Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst‘ von Jaron Lanier

Gleich der zweite Holzhammer neben den Manfred Spitzertiteln zu Anfang. Jaron Lanier, der Autor und Mitbegründer des modernen Internets, legt in dem Buch unmissverständlich dar, was soziale Netzwerke mit uns machen. Der Titel ist dabei genauso konfrontierend wie einnehmend.

Unterbewusst, manipulativ und viral versteht sich die Internetmaschinerie der großen Konzerne gut darauf, uns zu Produkten ihres Marktes zu machen. Lanier beschreibt dies stichhaltig, einleuchtend und eingängig.

In Teilen ist das Buch beängstigend, gleichzeitig ernüchternd und dennoch Mut machend für eine bessere bewusstere Zukunft in unserer digitalen Welt.

Die Stadtbibliothek hat es im Bestand. Physisch und als e-book.

5. ‚Fünf Dinge, die sterbende am meisten bereuen‘ von Bronnie Ware

Dieses Buch kommt ganz ohne Technik und Technikbeschreibung aus. Dafür erzählt die Australierin Bronnie Ware von Menschen. Menschen, die sie in den letzten Monaten, manchmal Wochen, ihres Lebens begleitet hat und mit denen sie intensive Gespräche führte, Erfahrungen machte, Erlebnisse teilte.

Ergebnis ist ein Schatz an in fünf Kategorien gesammelten Geschichten aus dem Leben, der uns die Augen für unser eigenes öffnet, unseren Blick weitet und gleichzeitg auf uns selbst fokussiert.

Nicht umsonst ein Beststeller geworden. Abseits jedes schnell hingeworfenen ‚Lebe im Jetzt‘ aus gängigen Feel-good-Zeitschriften lässt uns dieses Buch nachdenklich und doch dankbar zurück.

Hier die Bibliothekslinks für das e-book und das Buch.

4. ‚Kompass neues Denken‘ von Natalie Knapp

Das Bild des Kompass ist ganz passend für Natalie Knapps Werk. In den zwei großen Themenblöcken ‚Komplexität verstehen‘ und ‚Eine Haltung finden‘ gibt die philosophische Beraterin eine gut strukturierte Orientierungshilfe in unserer unübersichtlichen Welt.

Am Ende ist man… eingenordet und das, obwohl oder gerade weil man die vielfältigen Möglichkeiten unserer Zeit besser akzeptieren, durchlassen und verwerten kann.

Keine leichte Lektüre, aber umfassend und gut gegliedert. Die Bibliothek hat’s im Bestand.

3. ‚Endlich abschalten‘ von Catherine Price

Das niederschwelligste Buch in diesem bunten Reigen. Die Wissenschaftsjournalistin Catherine Price macht in bester DIY-Marnier vor, wie wir Abstand zu unserem Smartphone gewinnen.

Übersichtlich in kurze Abschnitte unterteilt, führt sie uns durch vier Wochen zu einer ’neuen Beziehung‘ zu unserem kleinen Begleiter.

Unterhaltsam, nicht oberlehrerhaft, dafür verspielt führt die Autorin an ein Thema heran, bei dem einige von uns wohl schon Schweißausbrüche beim bloßen Gedanken verspüren: ‚Unser Telefon nicht allzeit in die Hand nehmen zu können.‘ Aber was, wenn aus dem können ein ‚wollen‘ wird?

Catherine Price macht es vor.

Auch dieses Buch ist in der Bibliothek auszuleihen. Auch als e-book.

2. ‚Sitzen ist fürn Arsch‘ von Dr. Vivien Suchert

Ich bin ein Kopfmensch. Grauenvoll, wenn sich nachts das Gedankenkarussel unablässig dreht, hervorragend, wenn mein Geist sich nach allen möglichen und unmöglichen Ideen, Menschen, Strukturen und Sprachkapriolen dehnen und strecken darf.

Irgendwie bin ich aber auch ein Körpermensch. Ich liebe es zu balancieren, wie und wo auch immer, zu tanzen, mich zu bewegen, Fahrrad zu fahren, zu laufen, zu schwimmen, meine Muskeln, meinen Körper in Bewegung zu spüren und mit diesem ‚Apparat‘ zu spielen. Am besten ist natürlich, wenn beides Hand in Hand geht. Aber wo hat man schon einmal diese Möglichkeit? Welcher Arbeitgeber erlaubt, einen Schwebebalken im Büro zu installieren?

Die Diplompsychologin Dr. Vivien Suchert nähert sich dem Problem unserer sitzenden Republik fundiert, dabei unverblümt und mit Witz an. Neben der geschichtlichen Entwicklung, wie es zum vielen Sitzen kam, räumt sie dabei auch mit der gängigen Allzweckwaffe Fitnessstudio unter dem Kapitel ‚Warum Sport nur die halbe Miete ist‘ auf.

Wer hat’s? Die Bibliothek. Ebenso als e-book.

1. ‚Die Bullet Journal Methode‘ von Ryder Carroll

Kein Sachbuch, kein Ratgeber in herkömmlichen Sinne, eher eine Anleitung; eine Bastelanleitung und Gebrauchsanweisung für den eigenen Kalender, wenngleich das Wort Kalender Carrolls Bulletjournal nicht gerecht wird. Das Journal ist Kalender, To-Do-Liste, Listenverwalter, Tagebuch und Ideensammler in einem. Es wurde von dem Autor aus der Not heraus geboren, weiterentwickelt und perfektioniert, weil er selbst – mit ADS diagnostiziert – seiner eigenen mangelnden Konzentrationsfähigkeit versuchte, Herr zu werden.

Das Buch gibt dabei einen umfassenden Einblick in Carrols Denken, die Methode dahinter und sein Credo ‚Verstehe deine Vergangenheit, ordne deine Gegenwart, gestalte deine Zukunft.‘

Und auch ‚Die Bullet Jounal Methode‘ gibt’s in der Schweriner Stadtbibliothek.

Auffällig ist, dass gleich mehrere Autoren aus verschiedenen Fachgebieten (Ryder Carroll, Natalie Knapp, Catherine Price und in gewisser Weise auch Bronnie Ware) Denken und daraus resultierendes Verhalten in Rück- und Voraussicht teilen und so Lösungswege für überlegtes, strukturiertes und zufriedenes Handeln vorgeben.

Für mich eine wichtige Einsicht und Erkenntnis.

Der Extratipp

Und der Extratipp, wem das alles hier zu lapidar und wenig konkret ist, wer nach einer umfassenden Außensicht auf das Thema Medien sucht und daraus Antworten zu den Fragen ‚Wie setze ich mich mit Medien ganz allgemein auseinander?‘, dem sei ‚Eine Geschichte der Medien‘ von Jochen Hörisch empfohlen. Aber Vorsicht, es fängt beim Urknall an und hört beim Internet auf. Kleinteilig, umfassend, aber sehr horizonterweiternd.

Nicht in der Bibliothek, aber dafür gebraucht beim Onlineriesen.

Für Ergänzungen, Anregungen oder Fragen zur Liste bin ich jederzeit dankbar.

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