Der Rosenkavalier

Das Interview mit der Mezzosopranistin Hanna Larissa Naujoks anlässlich der Premiere von ‚Der Rosenkavalier‘ im Staatstheater Schwerin.

Heute geht’s um Hanna Larissa Naujoks und die Produktion ‚Der Rosenkavalier‘, die am Freitag um 18 Uhr im Staatstheater Schwerin ihre Premiere feiert.

Hanna Larissa Naujoks ist eine freischaffende Opernsängerin, die nach Engagements in Köln und Hannover nun als Gast in mehreren Partien am Staatstheater hier in Schwerin zu sehen ist. Einige kennen die Mezzosopranistin vielleicht aus dem Eröffnungskonzert der Spielzeit oder aber den aktuellen Repertoirevorstellungen von ‚André Chénier‘ und ‚Hänsel und Gretel‘.

‚Bier anstatt Oper? Würde ich niemandem übel nehmen.‘

Aktuell befindet sich Hanna Larissa in den Endproben des Stücks von Richard Strauss, wo sie – für einen Mezzosopran wie sie üblich – in die männliche Rolle der Hauptfigur des Octavian schlüpft, der als siebzehnjähriger Mann eine ältere Frau liebt, aber gleichzeitig für eine neue junge Liebe mit einer anderen Frau wirbt und kämpft.

Hanna Larissa und ich sind alte Studienfreunde aus Nürnberger Zeiten. Glück für mich – und euch – denn so kriegen wir hier exklusiv ein Interview mit der kreativen, spannenden, witzigen und herausragenden Sängerin.

Das Interview

Hanna, seit ein paar Wochen probst du für das Stück ‚Der Rosenkavalier‘ von Richard Strauss. Musikalisch nicht gerade der einfachste Stoff, aber eines deiner Lieblingsstücke. Die Mehrheit der Leser vom Schwerinlogbuch sind keine klassischen Operngänger. Sollten sie sich den Rosenkavalier dennoch anschauen oder lieber was anderes oder doch lieber einfach ’n Bier am Alten Garten trinken?

Eine gute und wichtige Frage. ‚Der Rosenkavalier‘ ist nicht unbedingt ein Operneinsteigerstück. Die Musik von Richard Strauss ist recht komplex, spätromantisch und damit nicht so leicht zum mal kurz reinhören. Es sind eben nicht nur schöne Melodien. Selbst für mich finde ich es in manchen Stellen anstrengend, da die Musik an vielen Stellen eher für die Sprache komponiert ist.

Wenn man sich dennoch entschließt, dann lohnt es sich, sich vorher mit dem Stück zu beschäftigen. Das ist bei der Oper generell ratsam.

Und das Bier im Alten Garten? Würde ich niemandem übel nehmen. Bei gutem Wetter: Eine gute Idee. Bei schlechtem: Auf jeden Fall den Rosenkavalier.

‚Am Anfang habe ich Hosenrollen immer wie ein Cowboy gespielt.‘

Als Mezzosopran hast du sicher bereits viele Fragen zum Thema ‚Hosenrolle‘ beantwortet. Spielst du gerne Männer? Und was ist schwieriger, wie ein Mann zu laufen oder wie einer zu sitzen?

Ja, mittlerweile spiele ich wirklich gerne Männer. Ich habe schon viele Hosenrollen gemacht, dann wird es mit der Zeit einfacher. Die Körperlichkeit kommt nun natürlicher. Am Anfang habe ich Hosenrollen, glaube ich, immer wie einen Cowboy gespielt. Mittlerweile weiß ich, das geht auch subtiler.

Ich kann diese Rollen jetzt sehr genießen. Trotzdem ist es immer wieder eine Herausforderung. Klar, ich bin trotzdem eine Frau und muss immer bewusst auf meine Bewegungsstruktur achten, wenn ich dann so eine Rolle spiele.

Sitzen oder Laufen? Laufen ist schwieriger. Ein komplexer Bewegungsablauf. Wie bewegt sich zum Beispiel die männliche Hüfte? Das Sitzen ist da mehr ein Bild, welches ich kopieren kann.

Die Figur des Octavian macht eine gewaltige Entwicklung innerhalb des Stückes durch. Erlebte Körperlichkeit, gesellschaftliche Verantwortung, Liebe. Große Themen. Wie gehst du an so eine Rolle szenisch heran? Was machst du ganz praktisch, um dich an so einen Charakter und seine Entwicklung heranzutasten?

Bei der Rolle des Octavian bin ich zunächst ganz intuitiv herangegangen, wie ich diese Rolle innerlich nachvollziehe. Ich versuche mir die Frage zu stellen, was macht den Charakter aus, und wie bringe ich das in eine körperliche Form. Dafür habe ich mit einer befreundeten Schauspielerin im vergangenen Herbst gearbeitet, um eine Grundstruktur für die Rolle zu finden.

Aber auch bei den Proben und im täglichen Leben fließen Dinge ein, die man zuvor gar nicht planen kann. Im Gespräch mit befreundeten Männern, mit meinem Freund oder im Beobachten von Männern, wie sie reagieren. Diese Aspekte bewusst über Monate wahrzunehmen und herauszufiltern, und das in die Rolle mit hineinzubringen, das ist ein Prozess, der nicht ganz planbar ist. Was davon sind Charaktereigenschaften von Octavian?

Ich habe zum Beispiel eine Vorstellung: Ah, so ist Octavian, und dann – durch irgendeinen Kommentar – merke ich, meine Sicht ist vielleicht zu weiblich. Ein junger Mann, der tickt ganz anders. Da sind viele Dinge, die mich überraschen.

‚Ich finde Schwerin echt toll.‘

Schwerin ist nicht deine Heimat, aber du bist für die Vorstellungen und Probenphasen am Theater sehr gerne hier. Im Blog nennen wir Schwerin gerne ‚Die schönste Stadt Deutschlands‘. Stimmt das? Wenn ja, warum? Wenn nein, was fehlt dir?

Ich finde Schwerin echt toll. Bin sehr gerne hier. Es ist gemütlich, entspannt – mit dem See, der Altstadt, dem Theater, dem Schloss, den vielen Möglichkeiten alternativ lecker vegetarisch Essen zu gehen.

Aber ich lebe in Hannover und genieße dort, dass es mehr Möglichkeiten gibt, Dinge zu unternehmen. Vor allem kulturell gesehen. Abgesehen vom Staatstheater hier in Schwerin, welches natürlich ein großes Zentrum ist, gibt es wenig Off-Theater, Festivals, Möglichkeiten abends wegzugehen. In meiner aktuellen Lebenssituation würde mir das in Schwerin fehlen, um hier längerfristig zu leben.

Aber das bleibt: Schwerin ist wunderschön und Hannover für mich die Stadt, wo ein bisschen mehr Leben tobt.

Liebe Hanna, vielen Dank für das Interview.

Die weiteren Vorstellungen vom ‚Rosenkavalier‘ nach der Premiere am Freitag finden am 14.04., 10. und 25.05. und am 09.06. statt. Vorstellungsbeginn ist jeweils 18 Uhr. Am Sonntag, den 09.06. schon um 15 Uhr. Karten gibt’s beim Staatstheater.

[Gesamt:1    Durchschnitt: 4/5]

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