Der See

Das 1. Gespräch vom Schweriner See und mir

Heute hat sich der See das erste Mal bei mir gemeldet. Ich saß auf der Marstallhalbinsel, an den großen Baum gelehnt, der Wind blies aus Südwest.

See: Hallo, Zweibeiner, du sitzt öfter hier in letzter Zeit, länger als die anderen von euch. Was treibst du hier?

Ich: Nichts besonderes. Ich denke nach. Was Schwerin so ist und warum ich hier bin, also hier an diesem Ort.

Der See hat Fragen

See: Und warum bist du hier?

Ich: Gute Frage. Aber grundsätzlich könnte man wohl sagen ‚Ich wohne hier‘.

See: Hier?

Ich: Ja, hier. In Schwerin. Die schönste Stadt Deutschlands.

See: Wer sagt das?

Ich: Ich sage das. Ich wohne hier, weil ich’s die schönste Stadt Deutschlands finde.

See: Was du nicht sagst. Warum?

Ich: Na, wegen dir.

See: Wegen mir?

Ich: Ja, wegen dir. Weißt du, es gibt nicht viele Städte in dieser Größe mit so einem See vor der Haustür.

Du bist der See

See: Und der See bin ich, richtig?

Ich: Ja. Du bist der See.

Der See schweigt.

Ich: Bist du noch da?

See: Ja.

Ich: Habe ich was falsches gesagt?

Wohnen

See: Nein, kleiner Zweibeiner. Was ist wohnen?

Ich: Was?

See: Was ist wohnen? Du hast gesagt ‚Ich wohne hier‘. Was ist wohnen?

Ich: Ähm, also wir Menschen, wir leben in Häusern und da wohnen wir.

See: Menschen? Häuser?

Ich merkte, dass sich Gespräche mit dem See etwas schwieriger gestalten würden als ich vermutet hatte.

Ich: Ja, also Menschen nennen wir Zweibeiner uns und Häuser sind so… Gebilde aus Stein.

See: Ah, Stein kenne ich. Und was ist eine Stadt?

Ich: Ähm, das sind ganz viele von diesen Gebilden aus Stein nebeneinander. Und da wohnen wir.

See: Interessant. Wusste nicht, dass man in Steinen leben kann.

Ich hielt es für besser, dem See Details zu ersparen.

Ich: Dann mach’s mal gut.

See: Du auch. Lass‘ dich wieder blicken, kleiner Zweibeiner.

Ich: Klar.

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