Die 10 besten Lieder beim ESC 2019

Der Autor hat sich durch die Playlist des ESC 2019 gehört. Hier seine 10 Favoriten des diesjährigen Grand Prix.

Leute, der Grand Prix de la Chanson steht vor der Tür, neudeutsch der ESC, der Eurovision Songcontest. Das größte Musikevent Europas, die meistgesehene Musiksendung der Welt. Beim Grand Prix scheiden sich die Geister. Viele Menschen finden es den letzten Trash, viele vergöttern und feiern ihr jährliches Stelldichein von den Musikgrößen Europas.

Zwei Gründe für den Grand Prix

Ich liebe den Eurovision Songcontest aus zwei Gründen.

1. Europa vereint über Musik, ein großes gemeinsames Fest, ein Hoch auf Frieden und Liebe.

Zugegeben, so schön diese Idee auch ist, sie klingt ausgeschrieben auch immer abgedroschen, weich und esoterisch. Dennoch sei sie hier genannt – für’s Protokoll.

2. Wo wird so viel Musik am Stück im Fernsehen noch live gesungen? Klar, die Zeiten vom Orchester auf der Bühne sind vorbei, aber gesungen wird immer noch und ausschließlich live. Wie schwer das eigentlich ist, wie gewohnt wir es sind, gut abgemischte, fertige, ‚richtige‘ Töne zu hören, das hört man jedes Jahr beim Grand Prix.

Intonation

Leicht bis stark intonationsgefährdet sind dieses Jahr in alphabetischer Reihenfolge: Deutschland, Großbritannien, Kroatien, Litauen, Norwegen, Serbien und Weißrussland.

Ich wünsche den Sängerinnen und Sängern nur das Beste und möchte mir gar nicht vorstellen, was für eine Aufregung, für eine Anspannung es bedeutet, live vor 180 Millionen Menschen zu singen. Dennoch: Selbst das beste, schönste Lied hat keine Chance, wenn es nicht sauber vorgetragen wird. Und das ist ein Gesetz, welches schon seit der Urstunde des ESC 1956 gilt.

Aber zur eigentlichen Liste. Hier meine 10 Top-Favoriten für den Grand Prix de la Chanson 2019!

Nein Halt, bevor es los geht, sei noch erwähnt: Ich habe die Playlist der Eurovison bewusst ohne Bild und Musikvideos dazu angehört. Nur die Musik, die Sänger und meine Ohren. Keine Ablenkung. Ich wollte der Musik zunächst pur eine Chance geben, bevor ich auch ‚hinschaute‘.

Am Ende ist der Grand Prix natürlich eine Show. Nicht umsonst heißt er heute fast überall und konsequent Song Contest. Dennoch: Es ist und bleibt ein Kompositionswettbewerb, die Jurys der Länder (deren Bewertung zu der des Publikums gezählt wird und im Verhältnis 50:50 steht) sind angehalten sich an den Liedern zu orientieren, nicht an deren Performance.

Dass es am Ende dennoch vor allem eine große Show ist, kann nur gewollt und gut sein. Der Grand Prix ist ein Fest, keine bitterernste Angelegenheit.

Also, los geht’s und Feuer frei für meine 10 Topfavoriten des Eurovision Song Contest 2019:

Die Top 10

10. Nordmazedonien: Tamara Todevska – „Proud“

Was entsteht, wenn man die Botschaft von Nettas ‚Toy‘ vom ESC-Gewinnerlied 2018 mit der Einfachheit von Portugals ‚Amar Pelos Dois‘ des ESC 2017 mischt? ‚Proud‘ ist die Antwort. Die Sängerin Tamara Todevska fängt uns mit einem klaren, rührigen Lied ein. Apropos: Einfachheit. Die wird uns bei diesem Grand Prix und auf dieser Empfehlungsliste noch öfter begegnen.

9. Griechenland: Katerine Duska – „Better Love“

Griechenland schickt eine sphärische Pophymne ins Rennen. ‚Better love‘ ist gut gestrickt und wühlt auf. Beim Wettbewerb um ‚Wie oft geht ein Refrain in drei Minuten hinein‘ mischt Katerine Duska auch ganz Vorne mit. Herrlich typischer ESC-Ohrwurm.

8. Moldau: Anna Odobescu – „Stay“

‚Stay‘ singt die moldawische Sängerin Anna Odobescu. Ja, ich gebe zu, so eine Ballade hätte eher um die Jahrtausendwende Chancen gehabt, aber das Lied funktioniert. Ein Drittel James Bond Sound mit Orchesterfeeling, ein Drittel Lippgloss und ein Drittel Frau, die sich das Herz aus der Seele singt, halten dieses Lied zusammen. Ich mag’s.

7. Dänemark: Leonora – „Love Is Forever“

Einfachheit. Das ist beim ESC nicht erst seit 2017 (siehe oben) bekannt, aber seitdem es auch zum Sieg taugt, trauen sich Sendeanstalten und Komponisten mehr in diese Richtung nach den Licht, Tanz- und Feuerwerksorgien aus den vergangenen Jahrzehnten. Mit ‚Love is forever‘ versucht sich erstmals die Künstlerin Leonora beim Grand Prix. In simpler und ehrlicher Sing- & Songwritermanier trägt die junge Frau ihr Lied vor.

6. Schweiz: Luca Hänni – „She Got Me“

Das Lied landet in mehreren Vorabbewertungen und Soundchecks unter den möglichen Siegern und gilt als Favorit für den Grand Prix 2019. Es erinnert thematisch und von der Machart etwas an ‚Miss Kiss Kiss Bang‚ aus dem Jahr 2009, macht Spaß zu hören und wird sicher auch bald auf den Radioplaylists wiederzufinden sein. Klassischer Discopop.

5. Israel: Kobi Marimi – „Home“

Große Balladen, das ist Israels Spezialität. Netta mit ‚Toy‘ 2018 war da eher die Ausnahme. ‚Home‘ kommt schlicht und innig daher, entwickelt sich aber zum Gefühlsstriptease des Sängers Kobi Marimi. Eine Hymne an Heimat und Heimatlosigkeit mit klanglich nicht unangenehmen Touch von Freddy Mercury.

4. Malta: Michela – „Chameleon“

Auch ‚Chameleon‘ wird uns diesen Sommer auf Beachparties und in Clubs wiederbegegnen. Mit Elektrosound, aber eingängig und mitreißend, hämmert sich dieser Song in die Ohren, Glieder und den Herzrhythmus des Publikums. Nichts zum still sitzen bleiben.

3. Österreich: Paenda – „Limits“

Wieder was simples. Das Lied, der Klang, die Performance. Ich mag, dass sich Peanda traut, den Song so reduziert vorzutragen. Wenn man sich darauf einlassen kann, geht’s unter die Haut. Wenn nicht, führt es eher zu Beklemmung. Was bei Musik ja auch manchmal nicht schlecht sein kann: Dass man sich klanglich und emotional auf den Hosenboden gesetzt fühlt.

2. Irland: Sarah McTernan – „22“

’22‘, eine schöne runde Geschichte, gut vorgetragen. Eine spannende Interpretation, dazu ein leichtes und sympathisches Leiervibrato der Sängerin bei den Endtönen. Sarah McTernan kann uns einfangen und umgibt uns mit ihrem warmen Stimmklang. Ein Wohlfühllied.

1. Spanien: Miki – „La venda“

Ja, es ist auch viel Anteil der Sprache, der Sprachlichkeit, dass ich den Song auf die Nr. 1 gesetzt habe. Ich mag, dass der Refrain so rhythmisch sprachlich fixiert ist. Ansonsten einfach gute Laune und Party, Party, Party. Aber die dafür vom feinsten.

Ausklang

Das waren sie: Meine Top 10 des ESC 2019. Und während gerade im Staatstheater in Schwerin der ‚Rosenkavalier‚ läuft, was dann ja gemeinhin als Hochkultur gilt, schreib‘ ich euch von meinen Favoriten des ESC 2019, welcher dann ja eindeutig zum Genre U-Musik gezählt wird.

Ich mag beides. Ich mag Musik, wenn sie einfach ist und ich mag Musik wenn sie Massen erreicht, ich mag aber auch Musik wenn sie schwierig und nicht immer leicht zugänglich ist und ich mag Musik, wenn man in einem Kreis von Eingeweihten sitzt und sich von ihr hinwegfegen lässt. Das Label U- oder E-Musik darauf ist nichts weiter als die Sicht einer möglichen Weltanschauung.

Die in den Top-Favoritenlisten noch genannten Länder Russland mit ‚Scream‘, die Niederlande mit ‚Arcade‘ und Italien mit ‚Soldi‘ haben’s nicht in meine Empfehlung geschafft. Fand einfach keinen Zugang zu den Liedern. Der Vollständigkeit halber seien sie aber dennoch genannt.

Das ESC-Finale läuft am 18. Mai um 21 Uhr auf der ARD. Die Halbfinale am 14. und 16. Mai werden ebenfalls jeweils um 21 Uhr live von ONE, nicht der ARD, übertragen. Hier auch noch die Sendetermine weiterer ESC-Programme.

Und weil er kurz erwähnt wurde… Den Rosenkavalier kann man sich auch noch anschauen. Am 25.05. um 18 Uhr und am 09.06. um 15 Uhr laufen die vorerst letzten Vorstellungen des großen romantischen Musikspektakels von Richard Strauss. Karten gibt’s beim Staatstheater.

[Gesamt:2    Durchschnitt: 4.5/5]

3 Kommentare

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Ja, die Niederlande hat glorreich gewonnen. Es ist auch gut gemacht, das Lied. Ich mag, wie innig er am Piano sitzt. Für mich war auch offensichtlich, dass er sich dann beim zweiten Mal mit der Siegertrophäe in der Hand und ohne Klavier vor sich, bei weitem nicht so wohl gefühlt hat.

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