Die 5 besten Badestellen in Schwerin

Schwerin ist die schönste Stadt Deutschlands. Und zu der schönsten Stadt Deutschlands gehören auch die besten Badestellen der Stadt.

Es ist Sommer, es ist heiß, die halbe Stadt befindet sich am oder im Wasser. Und es wird nie zu voll. Denn wir sind nicht nur die schönste Stadt Deutschlands, sondern auch die, mit den meisten Seen im Stadtgebiet.

Zeit, um die fünf besten Badestellen in Schwerin ausfindig zu machen. Sicher ein sehr subjektives Ranking, sicher eine Liste mit vielen Lücken. Ich bin dankbar für Ergänzungen und eigene Erfahrungsberichte.

Während ich den Artikel schrieb bzw. abtippte, hat sich immer wieder der See bei mir gemeldet. Aus persönlichem Wunsch unseres Lieblingsgewässers hier also auch jeweils die Kommentierung durch den Schweriner See.

5. Heidensee

klein, ruhig, aber…

Der Heidensee ist klein, gemütlich, beschaulich, besinnlich… und bewohnt. An der Badestelle am Westufer direkt angrenzend an den Kleingartenverein ‚Güstrower Tor‘ und erreichbar über einen Fußweg von der Käthe-Kollwitzstraße weiterführend tummeln sich seit drei Jahren eine Großfamilie Nutrias (aktuell mit fünf Jungen).

Die Nager sind an sich ungefährlich, aber durch fütterungsfreudige Menschen doch sehr zutraulich und manchmal auch frech, wenn sie Nahrung vermuten oder wittern.

Wen das nicht stört oder wer die Badestelle nicht zu den Morgen- oder Abendstunden aufsucht, wo die Tiere am aktivsten sind, der erlebt am Heidensee einen trotz seiner Nähe zur Stadt abgeschiedenen Platz am Wasser, der nur wenig frequentiert wird.

Der Einstieg zum Schwimmen gelingt leicht über improvisierte aber sicher angelegte Steinstufen.

Der See kommentiert

See: Wir sind dran an dem Thema. Die Nutrias werden in zwei Jahren kein Problem mehr sein.

Ich: Da muss‘ ich nachhaken. Was heißt ‚Wir sind dran an dem Thema‘?

See: Nun, auch wir – also die Elemente des Wassers – leben eine Willkommenskultur, kennen aber auch die Problematik invasiver Arten. Die Nutrias fühlen sich wohl bei uns, sehnen sich aber auch nach Heimat. Viel mehr kann ich dazu nicht sagen.

Ich: Aha.

4. Franzosenweg (Schweriner See)

Horizont, Tiefe und vereint in Gemeinschaft

Von den französischen Kriegsgefangenen aus dem Deutsch-Französischen Krieg erbaut, trägt der Franzosenweg neben uns als Radfahrern und Fußgängern auch eine gewisse Erblast, wenn wir auf ihm am See flanieren und Badestellen aufsuchen. Dem Skeptiker sei versichert: Dokumentiert ist, dass die Kriegsgefangenen gut versorgt waren.

Selbstverständlich nutzen wir ihn ohne uns bewusst zu machen, dass selbst andere Seestädte wie Zürich, Konstanz, Prien oder Waren sich alle Finger nach einem Weg wie diesem schlecken. Warum?

Der Franzosenweg ist das in Asphalt gegossene Versprechen an die Schweriner und ihre willkommenen Gäste, dass der Schweriner See für alle ist und nie einem einzelnen gehören kann, Boden nie gleich Besitz ist.

Jahrzehntelange Rechtsstreite mit Grundbesitzern hindern die Kommunen in den anderen Städten daran, ihre städtische Uferpromenade zu erbauen und für alle zugänglich zu machen. Meter für Meter müssen sich hier die Bürger das Recht auf ‚ihren‘ See zurückerobern.

Trotzdem in Mecklenburg alles laut einem Falschzitat nach Bismarck immer 100 Jahre später passieren soll, war Schwerin hier schon 1870, also 150 Jahre vor unserer Zeit, Trendsetter für ‚Das Ufer ist eines für alle‘.

Die Badestellen mit traumhaften hellblauen Horizonten sind für jedermann und gehören keinem Villenbesitzer, Zäunebauer oder Heckenschneider.

Danke, Schwerin.

Der See kommentiert

See: Ich distanziere mich von diesen Besitzreden. Im Grundgedanken richtig, verfällst du hier, kleiner Zweibeiner, in ähnliche Worthülsen wie die Menschen, die du kritisieren möchtest.

Ich: Wie bitte?

See: Das ist ein Badestellenartikel, kein sozialistisches Pamphlet.

Ich: See, ich bin kein Sozialist. Wie soll ich denn ‚Das Ufer ist eines für alle‘ sonst schreiben?

See: Ganz einfach ‚Das Ufer ist‘.

Ich: Das Ufer ist?

See: Ganz genau.

3. Ziegelinnensee

Der Alleskönner

Der Ziegelinnensee ist der kompakte Alleskönner unter den Schweriner Seen. Natur, Stadt, Sport, Luxus. Er hat alles zu bieten und das auf kleinsten Raum. Insofern ist der Ziegelinnensee so etwas wie der Maschsee in Hannover, nur mit mehr Stil. Aber der Reihe nach.

Natur:

Das Westufer mit seinem grünen Baumtunnel bietet alle dreißig bis vierzig Meter eine Badestelle für jeden Geschmack. Sonnig mit kantig stilvollen Betonplatten die südlicheren, schattig mit regen Schilfbewuchs die nördlich gelegenen. Die Einstiege durchweg naturnahe bis abenteuerlich, aber nie unmöglich. Insofern nur etwas für erfahrenere Badestellenbesucher.

Stadt:

Die Promenade am Ostufer des Ziegelinnensees beginnt in den letzten Jahren mehr und mehr aufzuleben. Angler, Jugendliche, Alternative, Flaneure, die Anwohner der umliegenden Neubauten. Sie alle leben und erleben die belebte und doch nie überfüllte Ufermeile, die uns die Stadt und Europa großzügig im Jahr 2014 vor die Nase gesetzt haben.

Abgerundete Metallbügel an der Hafenkante markieren jeweils die Einstiege über Trittleitern im Abstand von ca. 15 Metern über die ganze Promenade verteilt. Ideal für einen romantischen Sonnenuntergang und Schwimmen im Abendrot.

Extratipp: Der Uferbalkon an der Nordseite der Promenade bietet einen der schönsten Blicke auf die Stadtsilhouette Schwerins mit Dom, Schelf- und Paulskirche.

Extratipp 2: Die Promenade verfügt auch über ein kostenloses Wlan-Netz.

Der See kommentiert

See: Ja ja, ich weiß, der Ziegelinnensee ist der Luxusliner unter uns. Dennoch… wahre Größe…

Ich: See, das ist kein Wettbewerb für den schönsten, größten, mächtigsten See, sondern es geht um Badestellen, hast du selbst gerade gesagt.

See: Ach so. Ja, natürlich.

2. Ziegelaußensee

abgeschieden und Zen

Auch der Ziegelaußensee ist seit der Fertigstellung des Radweges am Westufer leichter zugänglich geworden. Die Badestellen hier sind die skandinavische Antwort auf alle, die sich fragen, warum Schwerin die schönste Stadt Deutschlands sein soll.

Hier gibt es Liegemöglichkeiten und Wassereinstiege, die etwas großzügiger und dennoch intimer als am Ziegelinnensee sind. Hier haben wir nordische Frische und ein Gefühl von Neugeboren sein, wenn man aus dem Wasser steigt. Hier erleben wir wogende Wälder und Farbenspiele in Blau, Grün und Blau am Horizont.

Der Ziegelaußensee ist der Zwei-Stunden-Retreat aus dem Alltag. Eine Meditation in sich ohne sich mit Yoga, Zen oder anderen fernöstlichen Weisheiten auseinandersetzen zu müssen.

Der See kommentiert

See: Diesem Inhalt stimme ich voll und ganz zu.

Ich: Keine Wettbewerbsfantasien?

See: Zweibeiner, ich bin das Wasser.

Ich: Aha, jetzt auf einmal.

1. Zippendorf (Schweriner See)

perfekter Sandstrand, Kiosk vor Ort, Sonne satt

‚Oh, du mein Zippendorf‘ – Als Ausruf schon eine eigene Zeile wert, so warte ich noch auf den Liedermacher, der unserem Stadtstrand eine eigene Hymne widmet.

Ganze Kindheiten, ganze Halbstarkenepisoden, ganze versuchte Eventkultivierungen, ja, ganze Epochen hat dieser unser Stadtstrand gesehen und getragen.

‚Zippendorf? Ach, lass‘ mal, da fahr‘ ich lieber an die Ostsee.‘ Diesen Spruch hört man immer wieder vom Schweriner und ich kann nur erwidern: Strand, Promenade und, ja, auch das Strandhotel haben das Zeug DER Identifikationsort unserer Stadt zu werden.

So kommen sonst alle zusammen? Wo sitzt sonst noch der Akademiker neben dem Proletariat und der alleinerziehende Vater neben der Großfamilie aus dem kulturfernen Syrien? Nirgendwo, aber in Zippendorf.

Der weite Horizont, die leichten Wogen des Schweriner Sees, der Sehnsuchtsort Kaninchenwerder vo der Nase, der ernüchternde aber sättigende Strandkiosk im Rücken: Das ist Schwerin!

Und wer über den schon beschriebenen Franzosenweg das strahlende Gelb des Stadtstrandes anfährt oder -läuft ist sowieso schon im Urlaub im Alltag angekommen.

Zippendorf: Wir schaffen das! Yes, we can! Wir sind das Volk!

Der See kommentiert

See: Mir scheint, kleiner Zweibeiner, am Ende ist dieser Artikel mehr ein kulturpolitisches Statement als eine Empfehlung für Badestellen geworden.

Ich: Hm, ja, vielleicht ein bisschen.

See: Jedenfalls kann man am Strand in Zippendorf sehr gut baden.

Ich: Ja.

See: Das musste noch mal gesagt werden.

Ich: Du hast Recht.

See: Wie immer.

Ich: Ja, wie immer.

[Gesamt:3    Durchschnitt: 5/5]

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