Die Foodcorner

Die Foodcorner ist ein kleiner Dönerladen in Schwerin. Im Interview erzählt Dennis, der Inhaber des Ladens, über Menschen, den Unterschied zwischen Mahlzeit und Verpflegung und natürlich über Schwerin.

Wo der Inhaber dir auch schon einmal eine WhatsApp schreibt

Die Foodcorner befindet sich in der Burgseegalerie an der Ecke Mecklenburgstraße / Geschwister-Scholl-Straße, gerade wo die Fußgängerzone der Innenstadt endet. Die ‚Dönerbude‘ bei der man neben den üblichen Verdächtigen auch Pizza, Pommes und Pils bekommt, hat Dennis vor drei Jahren übernommen. Im Internet liest man bei Google Kommentare wie ‚Super Laden! Nett, freundlich und alles sehr lecker! Macht weiter so!‘ oder ‚Alles frisch und lecker.‘ oder ‚Sehr guter Döner. Das Personal ist immer freundlich.‘
Mit der Foodcorner verbinde ich viele angenehme und leckere gastronomische Erlebnisse. Und zwar egal ob ich allein, mit Freunden, als Familie oder als Großgruppe anrücke. Unkompliziert, schnell, am Kunden orientiert, schmackhaft, so kann man das Angebot von Dennis und seinen Mitarbeitern vielleicht zusammenfassen.

Das Interview

Dennis, du betreibst den Foodcorner seit drei Jahren. Wie geht es euch? Was treibt euch gerade um? Wo soll’s hingehen?

Uns geht es gut. Grundsätzlich sind wir gut aufgestellt. Wir konnten unsere Erfahrungen aus den ersten zwei Geschäftsjahren ziehen und sind erfahrener in Bezug auf das was alles passiert ist. Es gab einige Hochs; wir haben immer wieder den Umsatzrekord gebrochen, zum Beispiel am Vatertag.

Die Stammkundschaft

Im Allgemeinen bauen wir Stammkundschaft auf. Das ist essentiel für den Winter hier in Schwerin. Wir merken jetzt schon, dass uns jetzt schon mehr in diesen Winter begleiten als das das letztes Jahr der Fall war.

Durch eure Lage seid ihr in gewisser Hinsicht auch ein Stadtteiltreff. Menschen treffen und grüßen sich. Ist das gewünscht oder wäre dir ein stetiges Rein, Raus, Danke lieber?

Nein, dass sich Menschen treffen und begegnen ist gewünscht. Da bin ich auch sehr stolz, dass wir Menschen aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft, aus verschiedenen Schichten, ethnischer Herkünfte hier zusammenzubringen. Ziyad, einer unserer Mitarbeiter, trägt da auch zu bei. Er ist Syrer und zieht natürlich entsprechend die Kunden aus dieser Region.

Wenn du Stammkundschaft sagst, wieviel kennst du wirklich mit Namen?

Sicher 30 oder 35 Leute. Da gibt’s natürlich alles dabei. Wir haben Menschen, die direkt von der Burgseegalerie oder vom Kaufhaus Stolz hier zum Mittag rüber kommen. Da kenn‘ ich manche dann über die Jahre persönlich, andere auch gut aber etwas distanzierter. Manche siezt man, manche duzt man, wie es halt passt.

1 km für einen Döner

Dann gibt’s auch diejenigen Gäste, wie soll man die nennen, Lieblingsgäste, so jemand wie Patrick Bölkow von ‚Plus Minus Optik‘. Das ist einer, der auch ein StartUp aufgemacht hat, qualitätsbewusst ist. Das passt dann schon. Und wenn der dann mal nicht kommt, dann macht man sich fast Sorgen. Und wenn er dann drei Tage nicht dagewesen ist, schreib‘ ich auch schonmal ’ne WhatsApp.

Es gibt dann Leute, die kommen jeden Tag. Manche, die kommen morgens und abends. Ein älteres Ehepaar, inzwischen leider weggezogen, kam extra wöchtenlich aus der Friedensstraße einen Kilometer zu uns gelaufen, damit sie hier ihren Döner essen können.

In Rubigen im Kanton Bern hast du mitgeholfen, 2012 aus einem Bauernhaus ein angesehenes Gourmetrestaurant zu machen. Wie kam es zu dem Wechsel hier nach Schwerin?

Zuerst einmal aus der Schweiz zurück nach Deutschland, weil es meiner Mutter hier in Mecklenburg nicht gut ging und ich mich um sie kümmern wollte. Ich wollte mich so und so selbständig machen und im gleichen Atemzug mit der Familie nochmal zusammenrücken.

Dann habe ich mir mehrere Läden angeschaut und das Ladengeschäft in der Burgseegalerie hier war eigentlich das einzige, wo ich klar wusste: Das kann man nehmen, da kann man was umsetzen und es hat das Potenzial, zu einem gut frequentierten Schnellimbiss zu werden. Ein Hotspot eben.

Die Schweiz

Durch deine Erfahrungen aus der Schweiz hast du sicher eine ganz eigene Sicht auf die Immbisskultur. Sollten sich die Deutschen was von den Schweizern abgucken, wenn sie bei dir an der Theke stehen oder eher umgekehrt?

Es sind natürlich zwei verschiedene Kulturen. Menschlich. Der Schweizer ist eben nicht der Deutsche. ‚Herr und Frau Schweizer‘ sind anders gestrickt. Ich war nicht nur in Bern, ich war 18 Jahre in verschiedenen Kantonen, habe mir also schon ein Bild machen können.

In der Schweiz ist man natürlich zahlungskräftiger. Dort ist es wichtiger, mittags auch wirklich essen zu gehen. In Deutschland könnte man das manchmal eher ‚Verpflegung‘ nennen, was mittags gegessen wird. Der Schweizer schaut sich, bevor eher mittags irgendwo hingeht, die Bewertungen an, liest Medienberichte, Gastroguides, legt sehr viel Wert auf die Qualität und die Art der Zubereitung.

Mein Ziel: Ein vollwertiges Essen

Da wollen wir natürlich hin. Dass es nicht nur Verpflegung gibt, sondern eben ein vollwertiges Essen. Eine Mahlzeit. Das wäre möglich, wenn man in die Richtung Mittagsmenü denkt. Da müssen wir aber umstrukturieren und noch einiges machen und aufbauen dafür. Das ist mein Ziel.

Während des Interviews wendet sich Dennis immer wieder kurz zu seinem Kollegen in der Küche und weist ihn auf einen besonderen Kundenwunsch hin, der gerade im Laden ist. Oder er sagt etwas wie ‚Manu, pass‘ auf, dass das nicht zu dunkel wird, ja?‘ Dennoch bleibt die Atmosphäre ruhig.

Essen und Geld

Die Deutschen geben im Verhältnis zu vielen anderen Ländern durchschnittlich einen recht geringen Anteil ihres Bruttoeinkommens für das Essen aus? Wie siehst du das?

Ja, da gibt es schon große Unterschiede, was der Markt bietet. In Deutschland sind Lebensmittel grundsätzlich günstig. Die Gefahr, dass du dann in den Ramsch greifst, also ein minderwertiges Produkt einkaufst, ist einfach viel höher.

In der Schweiz würde es nicht passieren, dass ein Antibiotikahühnchen als Geschnetzeltes auf den Markt kommt. Dafür gibt es dort viel strengere Regeln und Kontrollen, die den Import und Export regeln. So ein Huhn dürfte schlicht gar nicht erst eingeführt werden in die Schweiz.

Auch Regionalprodukte haben dort einen höheren Stellenwert. Deutschland zieht da schon nach, aber langsam, es dauert. Wenn zum Beispiel Rewe das hier in sein Verkaufsprogramm mit hineinzieht, dann wird das schon wieder bewusst, aber es ist über Jahre wenig gelebt worden.

Gütesiegel

Ich warne deswegen auch vor immer weiteren und mehr Siegeln. Gütesiegeln, Kennzeichnungen, Hervorhebungen. Deutschland ist da ein bisschen das Siegelland. Wir haben genug.

Es muss gelebt werden. Das ist der Schlüssel. Hier kommt es mir vor als käme jede Woche ein neues Zertifikat und das kann man dann wieder umgehen und das nächste auch wieder und so weiter. Insofern komme ich mir hier als Verbraucher bzw. als Konsument nicht so geschützt vor.

Vorgestern habe ich dich zufällig in der Kaufhalle getroffen. Was sind deine Kriterien? Wie kaufst du ein?

Ich denke, was jeder gelernte Koch, jeder Handwerker, was wir ja sind, versuchen sollte, aus seinem Handwerk Geld zu machen. Es gibt diesen netten Spruch ‚Aus Scheiße Bonbons machen‘. Ich wandle das jetzt mal ab und sage ‚Aus Rohstoffen Bonbons machen‘. Klar, achte ich schon im Einkauf darauf, dass die Lebensmittel Qualität haben.

Qualität

Da ist Deutschland tatsächlich Weltmeister darin, dass die Basisdinge, also die nicht verarbeiteten Produkte, eine gute Qualität haben und trotzdem günstig sein können.

Im Imbisssegment ist die Gewinnspanne da ziemlich ausgereizt. Aber: Frische ist wichtig! Knackiger Salat. Oder zum Beispiel Rispentomaten und keine, die auf irgendeinem Substrat hochgezüchtet wurden. Daraus dann gute frische Gerichte machen. Das ist das Geheimnis.

Insofern wäre das Ziel, hier eine Art Upper-Class-Imbiss draus zu machen. Etwas innovativer. Nicht nur Döner, Pizza und Salat, sondern auch die vegetarische und vegane Küche mehr beachten und ausbauen. Aber dennoch: Es bleibt ein Imbiss und dieses Upper-Class-Ding ist ein Fernziel.

Ein To-Go-Laden, das muss schnell gehen. Wenn jemand reinkommt, dann muss der geteert und gefedert werden. Aber mit Stil. Es muss cool bleiben. Es muss schnell gehen, gut sein und günstig. Das ist das Credo. Wenn sich aber jemand hinsetzen will, hier draußen auf der Terasse oder drinnen, dann ist es was anderes. Dass muss man raushaben. Was der Kunde will! Da müssen wir uns einpendeln.

Die Konkurrenz

Wenn du dich vergleichst mit anderen Dönerläden? Wo bist du da?

Irgendwo in der oberen Mitte. Wenn ich mir die Bewertungen ansehe höher. Aber ich weiß, wo ich stehe und ich weiß, was ich kann. Ich komme natürlich aus einer anderen Ecke als die meisten Dönerbetreiber, die so einen Laden haben. Und ich mach‘ das auch aus ganz anderen Beweggründen.

Welche sind das?

Natürlich aus Passion. Ich möchte meinen Mitstreitern nichts unterstellen, aber unter den Kollegen gibt es sicher viele, die das nicht unbedingt aus Passion machen.

Vielleicht mach‘ ich nicht Döner aus Passion. Aber Gastronomie! Dem Gast nahe sein. Trends und Impulse zu sehen und zu setzen und zu bewegen. Was ich seit 25 Jahren mache. Das mach‘ ich aus Leidenschaft dem Gast gegenüber. Mein Bruder und Ziyad auch; einfach mein Team, das ich aufgebaut habe. Und das, glaube ich, ist nun mal nicht überall der Fall.

Es gibt einfach viele unter den Dönerhändlern, die sich mit dem was sie tun, nicht identifizierern.

Schwerin

Auf logschwer.de bezeichnen wir Schwerin gerne als die schönste Stadt Deutschlands. Stimmt das? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

Mein Vater ist Trucker und ich habe meine ganzen Ferien mit ihm im Truck verbracht, kenne also Deutschland wie meine Westentasche.

Jede Stadt hat ihren Charme. Ich kann dir in Berlin Ecken zeigen, das sind die schönsten der Welt. Ich kann dir in Berlin Ecken zeigen, die möcht‘ ich dir gar nicht zeigen. Da kann ich mir nicht rausnehmen zu sagen, diese oder diese ist die schönste. Klar, Schwerin hat Charme. Das ist ’ne tolle Sache. Aber die schönste? Es gibt andere Städte, die hätten diesen Namen einfach auch verdient.

Aber natürlich: Die Countryside, so der Übergang zur Mecklenburgischen Seenplatte. Das ist nahtlos. Wunderschön. Einmalig. Augenweide. Und das geht schon beim Schloss los und zieht sich durch die ganze Stadt.

Schwerin ist klein. Ein Dorf. Hier sagt man sich noch: Da musste hingehen, das lässte besser bleiben. Das Wort auf der Straße hat Wert. Die Community ist gut vernetzt. Aber man merkt trotzdem, dass es eine Landeshauptstadt ist. In die Zukunft gewandt. So wie wir eben.

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