Ein guter Tag

Interview mit der Inhaberin der Schweriner Buchhandlung ‚Ein guter Tag – Literatur & So‘

Die Buchhandlung

Die Buchhandlung ‚Ein guter Tag‘ in der Buschstraße 16 kannte ich bisher nur lose als ’neue‘ Adresse in der Schweriner Innenstadt. Gestolpert bin ich dann über den Laden nicht laufend, sondern im Netz, als ich mal wieder auf der Suche nach Blogs mit konkretem Bezug auf Schwerin war.

Axel und Sannah haben den Laden am 28. März 2015 eröffnet. Ziemlich genau vor vier Jahren also. Grund genug also, um der Buchhandlung einen Besuch abzustatten.

Als ich mich mit Sannah zum Interview treffe, werde ich zunächst von Claudia, der freundlichen Mitarbeiterin empfangen. Die Atmossphäre im Laden ist von Anfang an herzlich, dennoch gemütlich und unaufdringlich. Eleganter, nicht zu lauter Pop und Jazz klingen aus den Boxen der Musikanlage.

Während ich noch die Stimmung des Ladens aufnehme, unterhalten sich die ankommende Sannah und Claudia über Neuerscheinungen, Neuentdeckungen, Trends und Liebhaberstücke auf dem Buchmarkt.

Neben den gut sortierten und augenscheinlich bewusst geführten Bereichen Belletristik, Kinderbücher und Sachbüchern findet sich in dem kleinen Laden auch eine Theke, wo mir Claudia einen frischen Kaffee zubereitet.

Im oberen Bereich finden sich die aktuellen Buchempfehlungen der drei, die sie mit ‚Claudia/Sannah/Axel gibt Fünf‘ betiteln. Erfreulich: Zu der Empfehlung gehört auch ein von den dreien persönlich formulierter Text, in dem sie Auskunft über ihre eigenes Leseerlebnis des Titels geben.

Das Interview

Sannah, man merkt dir und dem ganzen Team an, dass ihr Bücher über alles liebt. Wie viel Zeit verbringst du am Tag mit Lesen – unabhängig vom reinen Sichten des Marktes und neuen Verlagsprogrammen?

Grundsätzlich nicht so viel, wie ich möchte. Aber ich versuche die Frage zu beantworten: Es ist schwer, dass in Stunden und Minuten zu benennen, denn es kommt natürlich drauf an, wie viel zu tun ist – ist viel los im Laden oder müssen Dinge wie Buchhaltung, etc. erledigt werden…. Tatsächlich verstreicht aber keine freie Minute ungelesen – wir nutzen jeden Leerlauf, um die Nase zwischen die Seiten zu stecken – und sei es nur, um ein neues Buch im Sortiment kennenzulernen. Denn auch das gehört zu unseren Aufgaben, alle Bücher im Sortiment mindestens angelesen zu haben.

‚Wir hatten ein tolles Jahr 2018.‘

In den lokalen Medien wurde bereits mehrfach über eure damalige Neueröffnung der Buchhandlung und das in 2017 mit dem deutschen Buchhandlungspreis prämierte Ladenkonzept berichtet. Wie geht es euch aktuell, wo geht es mit ‚Ein guter Tag – Literatur & so‘ hin und was wäre dein persönlicher Traum für die Buchhandlung?

Tatsächlich, so kitschig das klingt, lebe ich mit dieser Buchhandlung meinen persönlichen Traum. Ich wollte immer mit meinem Mann zusammen selbstständig sein und Bücher waren immer eine Konstante in meinem Leben – so gesehen sind die zwei wichtigsten Elemente meines Lebens in dieser Buchhandlung vereint. Und diese Freude zeigt sich in unserer Arbeit: Wir hatten ein tolles Jahr 2018 und auch die ersten drei Monate des neuen Jahres waren bisher nicht langweilig. Aber das ist es eigentlich nie bei uns, da wir permanent am Ideen sammeln und umsetzen sind – das betrifft Inhalte, Veranstaltungen, Kooperationen…. Man muss dazu sagen, dass wir als Quereinsteiger gegründet haben und entsprechend war die Herangehensweise an unseren Arbeitsalltag auf der buchhändlerischen Seite stark vom „learning by doing“ geprägt, ist es manchmal noch. Andererseits ermöglichte unser Hintergrund, wir kommen alle aus dem Kreativen, von Anfang an ein konzeptionelles Denken und Handeln jenseits des „Üblichen“. Und das wurde unter anderem 2017 goutiert, indem wir als eine der besten 108 Buchhandlungen Deutschlands ausgezeichnet wurden. Für uns alle ein großer Moment!

‚Der Kontakt zum Kunden endet nicht mehr mit dem Schließen der Ladentür. ‚

In eurem Laden ist die direkte unmittelbare ‚Beziehung‘ zu euren Kunden sehr gut spürbar. Gleichzeitig pflegt ihr eine aufgeräumte, informative Webseite, die sogar über ein eigenes Blog verfügt. Welche Bedeutung und Gewichtung haben Ladenlokal und Internetpräsenz für dich?

Es ist einfach eine Freude, über Bücher sprechen zu können. Daher steht natürlich der Laden im Vordergrund. Hier kommen wir mit den Kunden ins Gespräch, lernen sie und ihre Wünsche kennen und können uns in der Beratung entsprechend auf sie einstellen. Das ist das Herzstück unserer Arbeit. Aber ich liebe auch die Möglichkeiten, die das Internet bietet. Der Kontakt zum Kunden endet nicht mehr automatisch mit dem Schließen der Ladentür von außen. Die kreative Arbeit am Blog und für die Social-Media-Kanäle macht mir sehr viel Spaß und erfordert, den Arbeitsalltag, die Bücher und den Laden selbst immer wieder aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Das hilft, nicht betriebsblind zu werden.

Durch die gesetzliche Buchpreisbindung in Deutschland kostet bei euch jedes Buch genauso viel wie in jeder anderen Buchhandlung, ob nun online gekauft oder beim Branchenriesen im Regal. Wenn man ein Buch bei euch bestellt, ist es am nächsten Tag vor Ort und insofern mit jedem anderen Buchladen oder Onlinehändler konkurrenzfähig. Wie siehst du als Buchhändlerin die allgemeine Entwicklung auf dem Buchmarkt?

Wenn ich die Frage aus der Sicht meiner täglichen Erfahrung vor Ort betrachte, behaupte ich, dass das Buch noch lange nicht tot ist. Aber ich würde die Frage auch grundsätzlich positiv beantworten.

Als wir vor fünf Jahren begannen, Nägel mit Köpfen zu machen, wurden wir von unterschiedlichen Menschen mindestens für mutig, wenn nicht sogar für verrückt erklärt. Die allgemeine Stimmung im Buchmarkt war am Boden und auch so mancher Schweriner hielt seine Stadt nicht reif für unser Konzept.

Seit 2018 konnte der Abwärtstrend des gesamten Buchmarkts aufgehalten werden und die Zahlen entwickeln sich seither positiv. Verlage, aber insbesondere der stationäre Handel, mussten sich an die neuen Gegebenheiten, die durch die Digitalisierung entstanden sind, anpassen. Das war und ist auch eine Chance, nicht zuletzt, weil Kreativität und Engagement im Konzept und im Sortiment gefragt sind, um sich vom Onlinehandel abzuheben. Viele Kunden wissen das zu schätzen und erleben einen lebendigen Buchhandel.

Hast du eine Buchempfehlung für die Leser von logschwer.de, die sich konkret, modern und vielleicht auf ganz eigene Weise mit Schwerin als Ort abseits der üblichen Touristenführer befasst?

Wenn ich alle drei Adjektive – konkret, modern, individuell – mitdenken soll, muss ich zu meinem großen Bedauern sagen, nein, leider nicht! Aber vielleicht liest das jemand, der sich dieser Lücke annehmen möchte…😉

‚Die Stadt meines Herzens‘

Hier im Blog logschwer.de nennen wir Schwerin gerne ‚Die schönste Stadt Deutschlands‘. Stimmt das? Wenn ja, warum? Wenn nein, was fehlt dir?

Um das sagen zu können, müsste ich alle deutschen Städte kennen, aber das ist natürlich nicht der Fall. Fakt ist aber, dass ich Schwerin liebe und wir aus Überzeugung vor fünfzehn Jahren hier in die Gegend gezogen sind. Schwerin bietet sehr viel für eine gute Lebensqualität: das Wasser, die Ruhe, die Altstadt, die kleinen, individuellen Geschäfte, man ist in fünf Minuten auf dem Land…. Das alles spricht unbedingt für diese Stadt. Sie entschleunigt. Manchmal fehlt mir nur das Bunte und die Kreativität einer studentischen Szene. Aber so oder so ist Schwerin unbedingt die Stadt meines Herzens.

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