Follower für Niklot

Niklot, der Slawenfürst, kümmert sich um SEO

Ein paar Sonnenstrahlen heute. Ein Hauch von Frühling. Niklot schaut mich misstrauisch an, wie ich an der Siegessäule auf den Laptop rumhacke.

Niklot: Wieder nur Worte, kleiner Schreiberling?

Ich: Is‘ ja auch für dich, Niklot.

Niklot: Mein Fürst, heißt das.

Ich: Ja, mein Fürst.

Niklot schweigt und schaut bewusst gen Norden, weg von mir. Ich schreibe weiter, nach einer Weile steigt er von seinem Pferd ab und setzt sich auf die Steinkante. Er beobachtet mich wieder.

SEO

Niklot: Warum auch für mich?

Ich: Ich mache SEO für dich, also natürlich auch für Schwerin und Bertha und den See, aber auch für dich. SEO heißt Search Engine Optimization. Das ist Englisch und heißt…

Niklot: Ich weiß, was Englisch ist, Schreiberling. Laufen im Sommer doch genug Touristen hier rum, die eine englische Führung kriegen. Grauenvoll! Erniedrigend.

Ich: Ja, also SEO heißt ins Deutsche übersetzt Suchmaschinenoptimierung. Und es geht darum, dass die Schweriner dich und Bertha und den See leichter finden, also erkennen können, also lernen, wer ihr wirklich seid, wie ihr seid, wie einmalig und toll und glorreich.

Niklot: Du meinst, wir wollen Untertanen?

Ich: Was?

Niklot: Untertanen, Anhänger, du willst, dass uns Untertanen die Treue schwören?

Ich: Ähm, ja, so könnte man das nennen.

Niklot: Dann müssen sie den Schwur der Vereinigung und Treue leisten. Am besten hier, gleich am Burgsee. Wann kommen die Untertanen?

Ich: Niklot, ich…

Niklot so laut, dass es fast bis zum Marienplatz hallt: Mein Fürst, du Schreiberling!

Follower

Ich: Ja, mein Fürst. So einfach ist das nicht mit den Untertanen, mein Fürst. Heute nennt man die Untertanen, ähm, Follower. Und wenn du Follower haben willst, dann… dann… müssen die dich erst finden.

Niklot: Ich bin doch hier. Sollen sie doch kommen. Jeder kennt Niklot, den Slawenfürst, den letzten Fels in der Brandung gegen das Christentum.

Ich: Niklot. Ähm, ich meine, mein Fürst; die Zeiten haben sich geändert. Die Suchmaschinen – die sind in diesen kleinen Geräten, die die Leute immer vor sich halten oder auch hier in diesem PC, den ich auf meinem Schoß habe – also die Suchmaschinen geben den Takt der Welt vor. Sie ordnen. Sie ordnen alles. Wirklich alles, also fast alles. Und wenn deine Anhänger, also deine Follower, kommen sollen, dann müssen die Suchmaschinen dich einordnen, eintakten, damit die Leute dich auf ihren kleinen Apparaten auch finden können.

Niklot: Schreiberling, nur damit ich das richtig verstehe: Du meinst, die Leute folgen mir, dem Slawenfürst dann, wenn sie mich auf ihren kleinen Apparaten finden, weil sie mich nicht mehr finden, wenn sie an mir vorbeilaufen?

Ich: Im Großen und Ganzen: Ja.

Es geht los

Niklot: Gut.

Ich: Was gut?

Niklot: Dann leg‘ los.

Ich völlig irritiert: Wie jetzt?

Niklot: Mach‘ die Follower an auf deinem Apparat. Ich find’s gut.

Ich: Ähm, also…

Niklot: Was jetzt. Jetzt leg‘ schon los mit deiner… Wie hieß das? Suchmaschinenglorifizierung.

Ich: Also, dann muss ich hier Texte schreiben, wo ganz oft Schwerin steht. Damit die Suchmaschine denkt, das ist die wichtigste Seite über Schwerin. Und ich muss Links setzen. Und…

Niklot: Warte, warte Schreiberling. Ganz oft Schwerin?

Ich: Ja.

Niklot: Das kann ich.

Er intoniert laut und getragen. Würdevoll.

Niklot: Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin, Schwerin Schwerin…

Ich: Halt!

Niklot hält kurz inne, schaut mich achselzuckend an, steht auf und besteigt wieder sein Pferd. Dann, als hätte ich überhaupt nichts gesagt macht er weiter.

Niklot: Schwerin, Schwerin…

Ich lauter: Halt, die Suchmaschinen verstehen, glaube ich, keine Kommas.

Niklot: Dann lass‘ sie weg.

Ich tippe verzweifelt, komme kaum hinterher.

Niklot: Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin.

Ich so laut ich kann: Nikloooot, Stopp!

Niklot völlig ruhig und ignorierend, dass ich ihn wieder beim Namen genannt habe: Was, Schreiberling?

Ich: Mir tun die Finger weh.

Niklot: In Ordnung, dann morgen weiter.

Ich: In Ordnung.

[Gesamt:3    Durchschnitt: 4.7/5]

3 Kommentare

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Jetzt müsste die Suchmaschine diese Seite aber ganz sicher finden oder willst du morgen wirklich weiter machen.
Schwerin Schwerin Schwerin Schwerin 🙂

DiKey

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