Niklot zur Wahl

Schwerin und Europa haben gewählt. Zeit, den kompetentesten Politiker von logschwer.de zu befragen: Niklot, den Slawenfürst.

Gestern war Kommunal- und Europawahl und nachdem ich in der vorhergehenden Woche einige Schweriner KandidatInnen befragen konnte, interessiert mich nun, was Niklot über den Ausgang der Wahl denkt. Klar, mit einer demokratischen Wahl an sich kann er sicher nicht viel anfangen. Aber was sagt er zu den Ergebnissen? Was zu dem Erfolg der Grünen, was zur Stadtvertreterwahl?

Ich schnappe mir die aktuelle Tageszeitung und das vorläufig offizielle Endergebnis der Stimmzählung und mache mich auf zum Schloss.

Das Gespräch

Ich: Guten Morgen, mein Fürst.

Niklot deutet auf die Zeitung: Schreiberling, wieder nur Worte?

Ich: Nein, Zahlen. Zahlen und Worte. Ich bin neugierig, was du als, nun als Oberhaupt der Slawen, zum Ausgang der Wahlen sagst.

Niklot: Ich höre.

Das Volk ist müde

Ich: Es war ja Europawahl. Verstehst du überhaupt was Europa ist?

Niklot: Schreiberling, wir besegelten das Baltikum. Denkst du, mir ist der Begriff unseres Kontinents nicht bekannt?

Ich: Nun, entschuldige.

Niklot: Die Entschuldigung sei dir gewährt.

Ich: Also, zur Wahl. Knapp mehr als die Hälfte der europäischen Bevölkerung hat sich diesmal auf zu den Urnen gemacht. Viele Politiker werten das als Erfolg, da es mehr als in den letzten zwanzig Jahren sei. Wie siehst du das?

Niklot: Eine Wahl, zu der nur die Hälfte des Stammes erscheint ist keine Wahl, sondern ein Debakel. Das Volk ist müde, scheint mir.

Tolerabel, aber sicher bedenklich

Ich: In Frankreich werden die Nationalisten unter Marine Le Pen mit 23% wahrscheinlich stärkste Kraft. Ein schlechtes Zeichen?

Niklot: Eine Gruppierung, egal welcher extremen Couleur, die weniger als ein Viertel der Gesamtbevölkerung ausmacht, halte ich für tolerabel, aber sicher für bedenklich. Wie heißt der Anführer dieses Landes?

Ich: Ähm, Emmanuel Macron.

Niklot: Ich rate ihm, in einen grundsätzlichen und ausführlichen Dialog mit seiner Sippe zu treten.

Ich: Mein Fürst, das macht der Mann. Er nannte das die „große nationale Debatte“.

Niklot: Dann ist gut.

Ich wundere mich, wie einfach Niklot mit solch großen Fragen umgeht. Er antwortet mir, ohne lange nachzudenken; in so kurzen und prägnanten Sätzen. Das erste Mal seit dem Beginn unserer Gespräche frage ich mich, ob Niklot nicht wirklich der geborene Slawenfürst für Schwerin sein könnte.

Die Grünen

Ich: Die Deutschen Grünen haben mit 21% der gewählten Stimmen ihr Ergebnis bei der Europawahl fast verdoppelt. Viele Analysten schreiben diesen Wahlausgang der Bewegung Fridays for Future und dem sehr popularen Video von Rezo zu. Wie bewertest du das Ergbnis?

Niklot: Ich habe dir schon einmal gesagt, Schreiberling, wir verstanden und ehrten die Natur, besser als eure Zivilisation jemals mit der Schöpfung umgegangen ist. Eine Bewegung, die es schafft, ein Fünftel der Sippe auf dieses Thema einzuschwören erscheint mir lobenswert, aber es ist sicher kein Grund, um in Jubel auszubrechen. Ihr seid weit weg von einem wertschöpfenden Umgang mit der Natur.

Wahl in Schwerin

Das nächste Thema ist brisant. Ich weiß nicht, ob Niklot das Ansprechen auf die geltenden Machtstrukturen in Schwerin akzeptiert. Dennoch…

Ich vorsichtig: Ähm, in Schwerin wurde ebenfalls gewählt, mein Fürst. Die Stadtvertreterversammlung.

Niklot indigniert: Und?

Ich: Nun, es wird bunter im Stadtparlament. Reine Zweier- oder Dreierbündnisse von Parteien sind nicht mehr möglich. Wie stehst du dazu?

Niklot: Eine Politik, die untereinander erst Bündnisse schmiedet, und nicht in ehrlicher Manier debattiert und dann zu sauberen Abstimmungen kommen kann, ist keine Politik.

Ich: Sondern was?

Niklot: Ganz einfach. Sie ist ein Kasperletheater, ein Budenzauber, nichts weiter.

Ich: Das musst du mir erklären.

Niklot: Manipulative Menschen gehören nicht in die Politik. Sie sind außer sich und suchen ihr Heil im Anderen, dass müsstest du am allerbesten wissen.

Ich schweige. Woher weiß Niklot solche Dinge?

Ich: Ähm, also, dann danke für das Gespräch.

Niklot: Ich bedanke mich, Schreiberling.

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