Teamplayer

Die Klickzahlen von Logschwer – der Schwerinchronik sind mal ganz ordentlich, mal bedeutungslos. Niklot hakt nach.

Das Filmkunstfest ist vorbei, ‚Systemsprenger‚ hat abgeräumt, im Stadtbild laufen eindeutig wieder weniger Künstler mit Understatement rum. Kein Sendewagen mehr vor’m Capitol, keine geparkten Fahrradhorden mehr vor’m Altstadtbrauhaus. Wieder eine ganz normale Woche; ich laufe meine übliche Runde um den Burgsee.

Niklot herunter rufend: Hallo Schreiberling. War wenig los am Wochenende.

Ich: War viel los. Die waren alle beim Filmkunstfest in der Stadt. Kriegst du da oben nicht so viel mit von.

Toleranter, als du denkst

Niklot: Filme? Die laufenden Bilder? Abendländischer Mummenschanz.

Ich: Die Leute mögen’s. Es gab einen neuen Besucherrekord. Vielleicht solltest du einen Film drehen von dir und deinen Heldentaten. Käme bestimmt gut an. Niklot, der ehrenhafte Slawenfürst, zu hohem Ross gegen die Christianisierung.

Niklot: Mein Kampf gegen das Christentum wird in der Geschichtsschreibung stark übertrieben. Wir waren toleranter als du denkst, Schreiberling.

Ich: So so, tolerant. So kamst du mir, Herr Fürst, aber bisher nicht vor.

Niklot ist kurz konsterniert und wischt meine Bemerkung dann mit einer Hand wie eine lästige Fliege zur Seite: Genug davon. Wie steht es nun mit meinen Anhängern?

Ich: Du meinst, mit unseren Anhängern, den Followern von Logschwer, dem Schwerinlogbuch?

Follower 2.0

Niklot: Ganz genau, das Blog.

Ich: Sehr unterschiedlich. Es gibt Tage, da haben wir mehr als hundert Seitenaufrufe, an anderen dümpeln wir bei 30 herum.

Niklot interessiert: Nicht genug Suchmaschinenglorifizierung?

Ich: Vielleicht, wobei wir auch da schon immer wieder mit den Artikeln auf der ersten Seite bei der Suchmaschine landen. Aber es hängt auch stark von den Inhalten ab. Manche Themen liegen einfach mehr oben auf als andere.

Niklot sich noch einmal mehrere Zentimeter auf seinem Pferd aufrichtend: Und welche sind das? Nein, lass‘ mich raten: Niklot, der Slawenfürst, der zu alter Größe zurückfindet.

Ich: Niklot, ich weiß, dass du einer von den Großen bist (siehe auch ‚Kindereien‚), aber nein, deine Artikel sind gerade nicht die beliebtesten. Eher die Interviews.

Rede mit den Leuten!

Niklot: Du meinst Gespräche. Von einem unfähigen Schreiberling wie dir in seine Technikbox hineingehackte Worte. Pah!

Ich: Du solltest zufrieden sein, du hast mich schließlich auf die Idee gebracht.

Niklot gespielt entrüstet: Ich?

Ich: Ja, du hast gesagt ‚Rede mit den Leuten‚. Und das habe ich gemacht. Seitdem sind vier Interviews erschienen und die sind jedes mal gut eingeschlagen.

Niklot: Ach so, das. Ja. Nun… das freut mich für dich… und für uns.

Ich: Und natürlich für dich.

Niklot abwiegelnd: Papperlapapp. Hundert Leute am Tag sind jedenfalls nicht genug. Was gedenkst du noch zu tun?

Ich leicht genervt: Mann, Niklot! Ich…

Niklot auffahrend: Bürschchen, nicht in diesem Ton, sonst sind wir ganz schnell wieder bei ‚Mein Fürst‘, Herr Schreiberling!

Niklot spielt darauf an, dass er mir vor zwei Wochen erlaubt hat, ihn zu duzen, nicht mehr mit ‚Mein Fürst‘ anzusprechen. Dachte mir schon, dass so eine Retourkutsche noch einmal kommen würde. Dafür ist sich Niklot viel zu… wichtig.

Ich schließe meine Augen, atme tief aus und fasse mir mit beiden Zeigefingern an mein Nasenbein. Immer ruhig bleiben.

Ein Beispiel an Bertha

Ich mit hauchdünner Ironie in der Stimme: Mein Fürst Niklot, ich bin nicht ratlos, aber Unternehmungen, das Blog bekannter zu machen kosten Zeit und Mühe. Du könntest dir aber auch ein Beispiel an Bertha nehmen und selbst zur Tat schreiten.

Niklot: Bertha?

Ich: Ja, Bertha, Bertha Klingberg, die Blumenfrau von Schwerin. Sie sitzt hier gleich dir gegenüber am Burgsee. Du solltest sie fast sehen können, wenn du dich ein bisschen vorlehnst.

Niklot schaut sich verstohlen um und neigt sich dann so würdevoll wie es auf seinem Ross geht langsam nach Vorne, blickt nach links: Was, dieses Mütterchen dort?

Nur den Bruchteil einer Sekunde denke ich, dass Niklot verdammt gute Augen haben muss, aber dann springt mir sofort Bertha in den Kopf und wie ungerecht Niklot hier über sie redet.

Ich: Bertha ist kein Mütterchen, sie ist eine rüstige und resolute alt… Frau in den besten Jahren. Sie kümmert sich um ihre Stadt. Hat sich sogar versucht, mit einem Smartphone auf einer sozialen Plattform anzumelden, um ‚Niklot, Bertha, der See und ich‘ in die Welt hinauszutragen.

Ich erwähne nicht, dass Bertha damit auch ganz eigennützige Absichten hatte – zum Beisiel schöne Blumenbilder anzuschauen – denn ich bin mir sicher, im Herzen ist und war ihre Motivation die richtige.

Teamplayer

Niklot: Pah, Weibergewäsch. Dass du dich mit dieser Person überhaupt abgibst.

Ich nur mit Mühe an mich haltend: Immerhin ist sie ein Teamplayer, was man von dir gerade nicht behaupten kann.

Niklot: Da haben wir ihn ja wieder: Den selbstverliebten Möchtegernanführer.

Ich noch einmal tief ausatmend: Niklot, ich… ich…

Niklot fast drohend: Ja?

Ich mich unwillig zusammenreißend: Nein, lass‘ gut sein. Vielleicht hast du recht. Ich sollte kreativer werden, wenn es um die Verbreitung der Schwerinchronik geht.

Niklot: Vernünftig.

Ich: Und wenn du Ideen hast…

Niklot: …lass‘ ich es dich wissen.

Ich: In Ordnung.

Niklot: In Ordnung.

Warum habe ich das Gefühl, Niklot ist eingeschnappt, obwohl ich derjenige war, der am Ende zurückgesteckt hat? Ist das so eine Art Anführersyndrom, dass immer der andere die Schuld hat?

Ich: Ich geh‘ dann mal.

Niklot schaut mich kurz an, dann in die Ferne und nickt.

Ich gehe in Richtung Schlossgarten weiter und lasse Niklot zurück. Hinter mir meine ich noch ‚Bertha, dieser Name schon… Das ich nicht lache…‘ zu hören.

Also weiter

Also weiter mit dem Blog. Noch mehr Klickzahlen, stetigere Klickzahlen. Schließlich bin ich ein getreuer Untertan von Niklot, dem Slawenfürsten.

Was könnte ich tun? Postkarten drucken? Eine Werbeanzeige in der Hauspost schalten? Noch mehr Suchmaschinenoptimierung? Andere Themenschwerpunkte setzen?

Ich bin für Ideen jederzeit dankbar. Schreibt mir gerne einen Kommentar oder direkt an kontakt@logschwer.de

Und wenn ihr selbst was tun wollt… hier unten stehen die Social-Media-Buttons. 😉 Ansonsten gerne auch von face to face oder wie Niklot sagen würde ‚Redet mit den Menschen‘. Über was? Über Logschwer.de, logisch. Und über Bertha, die keine alte Frau ist und über Niklot, den immer recht habenden Slawenfürst und natürlich über den See.

[Gesamt:4    Durchschnitt: 5/5]

2 Kommentare

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also ich kann hier freilich nur für mich sprechen, aber ich schaff es einfach nicht jeden Tag auf den Blog… aaaaaber ich freue mich immer über neue Texte; mir gefallen dabei besonders gut die Freizeitgestaltungstipps. Weiter so! Aller Anfang ist schwer!

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