UNESCO

Schwerin bewirbt sich mit dem Residenzensemble um den Welterbetitel. Der See hakt nach.

Neulich saß ich ganz in der Nähe vom Schloss am See. Mein Blick gleitet in die Ferne.

See: Da bist du ja wieder.

Ich: Ja, da bin ich wieder.

See: Ich hab‘ nachgedacht. Über die Steine und dass ihr in den Steinen wohnt, ihr Menschen, und dass ihr diese Steine dann Häuser nennt.

Ich: See, das Gespräch ist drei Wochen her. Du hast drei Wochen über Steine nachgedacht?

See kurz irritiert: Ja, warum nicht? Jedenfalls habe ich eine Frage: Das Schloss, das sich manchmal in mir spiegelt, das ist ein Haus, oder?

Ich: Ja, könnte man so nennen.

See: Dann weiß ich jetzt wie eine Stadt aussieht. Eins von euren Steinschlössern neben dem anderen.

Einzigartig, authentisch und weltbedeutend

Ich wollte den See nicht enttäuschen. Schließlich hatte ich ihm damals ja gesagt, Schwerin sei die schönste Stadt Deutschlands. Da fand ich die Vorstellung von einem Schloss neben dem anderen gar nicht so schlecht.

Ich: Ja, so ungefähr. Und mit dem Schloss und noch ein paar anderen von den Bauten – also Häusern – will Schwerin zum UNESCO-Welterbe aufsteigen.

See: Uneschko? Welterbe?

Ich dachte ‚Puh, das war jetzt ein Fehler‘. Nicht noch ein neuer Begriff für den See. Dann denkt er wieder drei Wochen nach. Also lieber gleich erklären.

Ich: Ja, die UNESCO ist die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur und… ähm. Also diese Organisation verleiht den Welterbetitel solchen Stätten, also Orten, auf der Welt, die in Ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend sind.

See: Weltbedeutend?

Ich: Ähm ja, also sehr sehr sehr bedeutend.

See: Bist du auch ein Uneschko-Welterbe?

Ich: Ich?

See: Ja, du.

Während wir reden zieht am Ufer gerade ein Blesshuhn ein paar Schilfhalme ins Wasser.

Ich: Ich glaube nicht, dass Menschen auch zum Welterbe werden können.

See: Warum nicht? Du bist einzigartig und authentisch und integer, oder?

Ich: Nicht immer, glaub‘ mir. Frag‘ mal Niklot.

See unbeirrt: Und das Blesshuhn hier?

Ich: Was ist damit?

See: Ist das Blesshuhn uneschko?

Ich: Unesco heißt das, Unesco-Welterbe! Nein, ich glaube, auch ein Huhn kann nicht zum Welterbe werden. Eher die deutsche Wurst oder die italienische Pizza. Das sind dann die immateriellen Welterben, oder so.

See: Aber Schwerin wird bald Unesco-Welterbe?

Ich: Das Residenzensemble könnte eventuell den Titel erhalten, ja.

Die schützenden Kernzonen und der eigentliche Star

See: Und ich?

Ich: Du?

See: Ja ich, du hast gesagt, Schwerin ist die schönste Stadt Deutschlands, weil ich hier bin.

Ich: Ja, das habe ich gesagt. Und du bist ein wichtiger Teil der Bewerbung, weil sich sozusagen alles um dich und das Schloss dreht. Die Innenstadt auf der einen und Kaninchenwerder auf der anderen Seite sind da nur als ’schützende Kernzonen‘ enthalten. Du bist sozusagen der Star als ‚die‘ landschaftliche Struktur des gesamten Ensembles.

Ich denke mir, dass das nicht ganz korrekt ist, aber dass es zumindest ein Teil der Wahrheit ist.

Ich weiter: Aber ich bin ja nicht die Welterbe-Kommission.

See: Du kannst das nicht bestimmen?

Ich: Nein.

Schweigen.

Ich: Bist du jetzt beleidigt?

See: Beleidigt? Was ist beleidigt?

Ich: Ach, lass‘ mal gut sein. Für mich bist du ein Unesco-Welterbe.

See: Das find‘ ich fein. Danke.

Ich: Gern geschehen.

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3 Kommentare

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Ja, das freut mich aber, dass sie dir gefällt.
Am 2. Juni ist auch Welterbetag. Mal sehen, ob sich der See da äußern wird. 😉

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