Weltlosigkeit

Es geht wieder los. Das Weblog Niklot, Bertha, der See und ich startet in die neue Saison. Trotz oder gerade wegen Corona.

Es ist ruhig geworden in und um logschwer, dem Schwerinlogbuch. Fast ein Jahr Funkstille. Die Einträge vor einem Jahr erzählen von dem Saisonstart, dem Frühlingsfest, dem Pressefest, Premierenterminen und einer Fotoausstellung.

Und heute? Nichts. Eine andere Welt hat an die Tür geklopft.

In was für einer Welt leben wir?

Die politische Theoretikerin Hanna Arendt sprach schon in den 60er Jahren in ihrem Buch ‚The Human Condition‘ von der Weltlosigkeit. Es herrsche eine ‚Alice im Wonderland‘-Atmossphäre, die Gesellschaft sei zwischen Arbeit und Konsum gefangen, könne die Welt drumherum und dazwischen nicht mehr sehen. Andere Menschen, andere Bedürfnisse, selbst unsere eigenen Bedürfnisse verschwinden in dem täglichen Aufgeriebensein dieser zwei Pole.

Die Pandemie, Corona, Covid-19 begrenzt unser Leben radikal auf Arbeit und Konsum (Einzelhandel, Lieferdienst und Medien). Freundschaft, Kultur, selbst das Familienleben wird so stark beschnitten, dass wir fast nicht anders können, als weltlos zu sein.

Eine menschliche Katastrophe, unbeachtet und verdeckt von stündlich aktualisierten Fallzahlen.

Neustart

Deswegen geht es wieder los, deswegen nehme ich mein Notizbuch wieder zur Hand und interviewe Bertha, Niklot und den See, aber auch andere:

Straßenkünstler, Einzelhändler, Gastronomen, Altenheimbewohner und Leute wie du und ich aus Schwerin. Um das Dazwischen wieder sichtbar zu machen, anderen Stimmen Gehör zu geben, einen geschützen Raum zu schaffen, um das Gegenüber zu sehen und auch sich selbst mal zuzuhören.

Denn eines bleibt Schwerin auch in einer weltlosen Welt: Die schönste Stadt Deutschlands.

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